Geburtstag, Wandern, und SEOUL!

Hallo allerseits!

Wieder sind ein paar Wochen vergangen, und so einiges ist passiert. Das hier wird ein längerer Text, also nehmt euch etwas Zeit zum Lesen 😉
  1. Geburtstagsfeier
  2. Wandern
  3. Essen mit dem Lab
  4. 4 Tage in Seoul!

1. Geburtstagsfeier

Ende letzten Monats habe ich meinen Geburtstag gefeiert. Wir waren insgesamt zu acht, und hatten einen spaßigen Abend. Zuerst haben wir eine Runde Screengolf gespielt, eine typisch Koreanische Erfindung.

Man schießt mit echten Golfschlägern und Golfbällen auf eine Leinwand. Ein Computer berechnet die Flugbahn des Balles und stellt das dann schön großformatig dar. Das macht richtig Spaß, ist aber auch relativ teuer, 13.000 ₩ (8,66 €) pro Person für eine 9-Loch-Runde. Danach gings noch in unsere Stammbar und dann noch in nen Bumm-Bumm-Nachtclub. Hier gibts ein paar Bilder:

2. Wandern

Letzte Woche hat es dann das Wetter endlich mal gestattet, dass Christopher, Micha und ich eine kleine Bergtour gemacht haben, nahe der Stadt. Mit dem Taxi sind wir für ca 9.000 ₩ (6€) zu einem Parkplatz schon leicht in den Bergen. Dort gings dann zuerst sehr gut ausgebaut weiter, danach so wie man es auch aus den Alpen kennt. Ne schöne Wanderung, und wieder viel Neues und Interessantes gesehen. Beispielsweise gibt es hier an Anfang und Ende der Wander-Route einen Kompressor mit Druckluft um den Dreck aus den Sohlen der Bergschuhe zu pusten. Wieder ein paar Fotos:

3. Essen mit dem Lab

An einem anderen Abend letzte Woche sind wir mit den ganzen Lab-Mitglieder wieder mal lecker Essen gegangen. Diesmal gabs Koreanisches Barbecue, mit allerlei Beilagen. Danach gings noch zum Professor von unserem Partner-Lab nach Hause, wo er uns mit Naschereien versorgt hat, wie z.B. frisches Obst (Weintrauben, Ananas, Wassermelone) und Gemüse (Tomaten, Paprikas, milde Chilischoten), getrockneten Fisch, etc. Dazu gabs natürlich alle möglichen (teuren) Alkohol-Sorten: Chinesischen „Obstler“, Polnischen Vodka, Japanischen Sake mit Gold-Flocken darin, Korenaischen Soju, der seit 20 Jahren in Ginseng eingelegt ist, und so weiter. Dann wurden noch große Reden von Freundschaft, Zusammenhalt und Zukunft geschwungen. Ein weiterer schöner Abend, hier wieder ein paar Bilder:

4. Seoul

So, nun kommen wir zum großen Finale dieses Eintrags, ein Bericht über das verlängerte Wochenende mit Micha und Christopher in Seoul. Um die zwei kurz vorzustellen: Die beiden kommen von der TU Berlin und machen hier ein Doppel-Master-Programm. Wir haben jetzt schon einiges zusammen unternommen, so ein bisschen Deutsch ab und zu tut doch sehr gut.

Zuerst etwas Basiswissen als Grundlage zum Thema Seoul:

Einschub: Seoul

Seoul (Spricht sich wie das englische „Soul“, nicht  „Se-ul“ oder sonstige Verrenkungen) ist seit 1394, mit Unterbrechung durch die Japanische Besetzung, die Hauptstadt Koreas, bzw. heute Südkoreas. 10.9 Mio Menschen leben in Seoul, 15-25 Mio Menschen, je nach Zählweise, in der Metropolregion. Bei einer Bevölkerung Koreas von knapp 50 Mio. Menschen, kann sich jeder ausrechnen, dass ein gutes Fünftel der Bevölkerung Südkoreas in Seoul lebt, und ca 40% in Seoul mit Umland. Mit diesen Zahlen liegt Seoul auf Platz 5 der weltgrößten Städte.

Allgemein ist der Lebensstandard in Seoul sehr hoch, im Schnitt höher als in Deutschland. Die Stadt wird vom Han-Fluss in zwei Teile geteilt. Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen im nördlichen Teil der Stadt.

Nun mal der Reihe nach. Am Freitag sind wir mit dem KTX (Korea Train Express, max ca. 300 km/h) für ca 20.000₩ (13,33€) in einer knappen Stunde die 120 km Luftlinie von Daejeon nach Seoul gefahren. Dort ging es dann mit der U-Bahn weiter.

Einschub: ÖPNV

Das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel in Seoul ist ausgezeichnet. Das U-Bahn-Netz ist sehr engmaschig und die Bahnen fahren zügig, wir haben selten mehr als 5 Minuten gewartet. Für die weitere Verteilung sorgten dann die Busse. Es gibt zwar keine Tageskarte, dafür ist jede einzelne Fahrt richtig günstig. Für die ersten 10km zahlt man 1000₩ (0,67€), für weitere 5km jeweils 100₩ (0,07€). Die Bezahlung läuft per RFID-Chipkarte, ähnlich wie in Deutschland die wenig genutzte „Geldkarte“, nur eben per Funk. Man lädt Geld auf die Karte, und legt sie dann beim Betreten und Verlassen des Bahnhofs auf einen Scanner, wo der entsprechende Betrag „im Vorbeigehen“ abgebucht wird. Alternativ kann man auch Einzelkarten im Automaten holen, die dann nur für eine Fahrt gelten. Mit der gleichen Karte kann man dann auch in Bussen, in Taxis oder in Convenience Stores bezahlen.

Ein weiteres großes Plus der U-Bahnen: Die Toiletten sind zahlreich, sauber, und einwandfrei instand gehalten, kein Vergleich mit Deutschland. Wo die Koreaner allerdings noch Nachbessern müssen, ist bei der Verteilung von öffentlichen Mülleimern, da sucht man schon mal eine ganze Weile, was auch dazu führt, dass sich manchmal in der Stadt kleine Müllberge bilden.

Interessantes, aber auch gruseliges Detail: In jeder U-Bahn-Station stehen Schränke voller Gasmasken. Im Ernstfall würden aber wohl Kämpfe um die zu wenigen Masken entstehen, so dass im Endeffekt keiner etwas davon hätte..

Im Hotel haben wir dann unser Gepäck abgelegt, und sind zur weiteren Stadt-Erkundung gestartet. Zuerst haben wir mal bei Lotte-World vorbeigeschaut, die Koreanische Variante von Disney-Land. Dann waren die Shopping-Malls dran. Wir waren u.A. im größten Koreanischen Elektronik-Markt, allerdings etwas anders, als man das von uns gewohnt ist. Über ca. 10 Stockwerke verteilen sich jeweils bestimmt 100 Einzel-Stände von kleinen Händlern, die jeweils Computer, Laptops, Handys, Kameras usw. verkaufen, aber alle eigenständig. Preislich nimmt es sich hier allerdings nicht viel mit den Deutschen Händlern.

In einer dieser Malls haben wir dann im 9. Stock ein „e-Sport Stadium“ gefunden, und da zwei von uns dafür doch ziemlich empfänglich sind, mussten wir uns das natürlich anschauen.

Einschub: E-Sports in Korea

Das 1998 veröffentlichte Echtzeitstrategiespiel Starcraft, samt der Erweiterung Broodwar, begründete Ende der Neunziger einen rasanten Zuwachs von Internet-Cafes in Südkorea. Das Spiel entwickelte sich zu eienm Massen-Phänomen, und vollwertigen Sport. Spiele werden bis heute zur besten Zeit im Fernsehen übertragen, die Top-Spieler werden als absolute Stars behandelt und auch so bezahlt. Ein Lab-Kollege meinte zu mir, dass realistisch geschätzt ca. 10 Prozent der Bevölkerung alle Starcraft-Hotkeys auswendig können.

Starcraft hat sich weltweit 9.5 Mio. mal verkauft, 4.5 Mio mal davon in Südkorea.

Wie es der Zufall wollte, haben wir in besagtem „Stadium“ auch tatsächlich zwei Starcraft-Matches erwischt, noch dazu das zweite Spiel von DEM Koreanischen Super-Star, KT-Flash. Die Halle war voll besetzt, inklusive kreischender Teenie-Mädchen. Erwartungsgemäß hat er seinen Gegner bezwungen, und wir sind beeindruckt weitergezogen, und zwar nach Itaewon.

Itaewon ist das Touristen- und Ausländer-Zentrum von Seoul. Es finden sich massenweise ausländische Bars und Restaurants, sogar ein „Deutsches Haus“, das allerdings von Koreanern betrieben wird, die kein Deutsch sprechen. Die Preise sind so gesalzen wie das Menü voll von Wurst jeglicher Art. Ein Dunkles Weizen musste natürlich trotzdem sein. Ansonsten war es hier nicht so sonderlich interessant, viel zu viele Europäer und v.a. Amis hier, also sind wir nach einem typisch Koreanischen Döner zurück ins Hotel. Hier mal ein erster Satz Fotos:

Nach einer Nacht bei viel zu kalt eingestellter Klima-Anlage (der Sensor war wohl kaputt), und einem Frühstück bei Dunkin Donuts (überraschend preiswert) gab es am zweiten Tag dann eine Portion Kultur. Wir sind zum Geongbokgung Palace gefahren. Dieser Palast wurde 1394 vom Gründer der Joseon-Dynastie (1392-1910) erbaut, und is der größte und älteste Palast dieser Dynastie. Der Palast samt Garten hat mich sehr beeindruckt, v.a. die filigrane Bauweise, inklusive der Fenster und Wände, die tatsächlich teils aus etwas dickerem Papier bestanden. Am besten schaut ihr euch einfach die Fotos an:

Da das Wetter nach einem regnerischen Morgen gegen Mittag aufgeklart hat, sind wir danach direkt zum N Seoul Tower. Dieser befindet sich auf dem Berg Namsan, mitten in Seoul. Die Stadt selbst liegt zwischen 10 und 50 m ü. N.N., der Berg liegt auf 243 m ü. N.N., und die Aussichtsplattform des Turmes liegt nochmal 133m darüber, so dass man eine sehr beeindrucke Aussicht über die komplette Stadt hat. Sogar eine Toilette mit genau dieser Aussicht vor einem Fenster gibt es dort oben!

Mit der Seilbahn ging es dann wieder in die Stadt, wo wir uns durch Malls, Märkte und Straßen gekämpft haben, um dann nach gefühlten 10 zu teuren Läden bei einem Chinesen etwas zu essen. Später am Abend sind wir dann noch an einem kleinen Fluss vorbei gekommen, der direkt durch Seoul fließt. Hier haben haufenweise kleine Kinder im Wasser gespielt, und als es dunkel wurde, gab es eine ganz hübsche Laser-Show in Wasserdampf. Unsere Füße haben sich stark bemerkbar gemacht, und unser geplanter koreanischer Tour-Guide für den Abend ist kurzfristig abgesprungen, also sind wir zurück ins Hotel und haben guuut geschlafen.

Nach erneutem Dunkin Donuts-Frühstück ging es am Sonntag über die Märkte. Namdaemun Market ist ein Viertel, in dem es schier endlose Verkaufsstände auf den Straßen gibt. Hier gibt es ALLES, von Kleidung über Taschen, alle Arten von Souveniers, Geschirr, Elektronik, Schmuck, Werkzeuge, usw. Eine gigantische Fundgrube, hier lassen sich richtige Schnäppchen machen, und die Preise sind alle verhandelbar. Gleiches gilt für den Dongdaemun Market, der allerdings eher im Inneren von Gebäuden ist. Selbstverständlich findet sich auf den Märkten auch allerlei zu Essen. Später ging es zur Erholung etwas auf eine Insel im Han, namens Seonyudo. Hier gibt es einen schönen Park, der von der Bevölkerung auch mit den Kindern reichlich genutzt wird.

Samt unserem Tour-Guide Kwon a.k.a. Günther sind wir dann in ein Universitätsviertel. Viele junge Leute, Bars, Clubs, und Restaurants. Dort haben wir dann, nach ca 20 Minuten warten, in einem recht bekannten Restaurant gegessen. Es wurde ein riesiger Teller voll roher Bambussprossen, Schinken, und weiterer Zutaten aufgetischt. Dieser wurde dann auf dem Tisch durchgebraten. Das Ergebnis war ziemlich lecker, aber auch ziemlich scharf. Wir sind alle gut satt geworden, und haben gerade einmal 5.000₩ (3,33€) pro Person gezahlt.

Anschließend haben wir uns noch eine Bar gesucht, ein paar Bier gegönnt, und sind dann wieder ins Hotel. Hier noch die gesammelten verbleibenden Bilder:

Einschub: Mentalität

Die Mentalität der Koreaner ist von Grund auf tendentiell freundlich und integer. Wenn man in der U-Bahn dreimal auf die Karte schaut, bekommt man sofort Hilfe angeboten. Kleine Kinder sind fast immer begeistert, Europäer zu sehen, und Grüßen gleich mit einem „Hi“ oder „Hello“. Das Schulsystem ist sehr fordernd, so dass Schulkinder wenig Freizeit haben. All dies führt dazu, dass Kriminalität in Korea so gut wie vernachlässigbar ist. Auch gibt es so gut wie keinen Vandalismus. Diese Mentalität erst ermöglicht die teils bereits genannten Punkte wie

  • Kompressoren mit Druckluft zum Reinigen der Bergschuhe
  • Saubere und intakte U-Bahn-Toiletten
  • Zahlreiche öffentliche Trainings-Geräte in Parks, wie im Fitness-Center
  • Große Touchscreens in U-Bahnhöfen, mit einem Google-Maps-Äquivalent
  • Fest eingebaute Fahrradpumpen an vielen Orten, wo Fahrradständer stehen

All diese Sachen würden in Deutschland in kürzester Zeit kaputt-randaliert werden.

Am Montag sind Micha und Christopher dann in einen riesigen Wasserpark gefahren, das habe ich mir aber gespart. Ich bin nochmal durch Seoul gefahren, und habe Souveniers, und nach langer langer Suche endlich POSTKARTEN gekauft. Man würde nicht glauben, wie schwer die in Korea aufzutreiben sind. Ich habe schon an einigen Stellen gesucht, und bisher kenne ich in ganz Korea genau zwei Stellen (Palast-Museum und N Seoul Tower), wo man welche bekommt.

Auch wenn ich noch lange nicht alles gesehen habe, hat mich Seoul zutiefst beeindruckt, und meine Sicht auf die Welt, besonders natürlich auf Korea, nachhaltig verschoben. Es hat mir dort wirklich gut gefallen; mit dem nötigen Kleingeld ließe sich dort sicherlich ein sehr angenehmes Leben führen.

So, das war jetzt ein Haufen Text, und ich habe bestimmt die Hälfte an Erzählenswertem vergessen, aber das muss erstmal reichen. Und bevor hier der Eindruck entsteht, ich mache hier nur Urlaub, da kann ich euch beruhigen, auch die Diplomarbeit geht voran, das ist nur weitaus weniger Interessant für euch 😉

Gruß und bis bald,

Luiz

P.S.: In Seoul liefert McDonalds 😉

6 Gedanken zu „Geburtstag, Wandern, und SEOUL!“

  1. Ein genialer Massage-Sessel 😉 Aber nicht so ein langweiliger wie in D, der dir den Rücken hoch und runter knetet. Dieser massiert dich echt überall, Kopf, Schultern, Rücken, Hüften, Arme, Oberschenkel, Waden, Füße, Fußsohlen … richtig cool nach der ganzen Lauferei 😉

  2. GEIL! 😉 da bekomm ich voll Lust selbst mal einen Asien Urlaub oder was längeres zu machen. Bin echt von den Leuten und der Kultur fasziniert. Die Gärten und klassischen bauten sind auch wirklich schön und strahlen irgendwie diese ehrfürchtige Ruhe aus.

  3. Ich muss sagen meine Ansichten bezüglich Korea ändern sich durch deine Beiträge und Bilder auch. Habe mir das ein wenig anderst Vorgestellt.
    Zum Thema Urlaub machen …. nutze die Chance die du jetzt hast und schau dir Südkorea an. Wann kommst du da schon mal wieder hin. 🙂

  4. Hallo Luiz,

    klingt leicht besorgniserregend, Dein Bericht: Klasse Fotos, höchst interessante Informationen und anscheinend eine sehr kultivierte Gesellschaft. Kommst Du überhaupt wieder heim? Also, falls Du dort bleibst, musst Du Dich auf wahrscheinlich auf eine Menge Besuch einstellen!

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